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Nach der Pille stand mein Leben plötzlich Kopf

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Eine kleine runde Tablette jeden Tag, zur selben Uhrzeit, verspricht strahlend schöne Haut, einen kontrollierbaren Zyklus und keine Angst mehr vor einer möglichen Schwangerschaft. Für junge Mädchen und auch für mich schien die Pille damals also die perfekte Lösung zu sein. Doch mit der Zeit wurden die Stimmen gegen die Pille immer lauter. Die Meinungen spalteten sich immer mehr und in mir machte sich ein mulmiges Gefühl breit. Seit mehreren Jahren kämpfte ich vermehrt mit Migräne und zurecht fragte ich mich, ob die Pille der Grund dafür sein könnte. 

Tschüss Pille, hallo Schmerzen!

Mit knapp 25 Jahren zog ich dann einen Schlussstrich für mich und setzte die Pille ab. Schlagartig ging es mir besser, doch nach nur drei Monaten musste ich mich von meiner reinen Haut verabschieden. Ich hatte gehofft, dieses Kapitel endlich abgeschlossen zu haben, doch wir schreiben es wohl wieder ganz neu. Wie sich herausstellte, war es jedoch erst der Anfang und das leichteste Kapitel von allen.

Ein knappes halbes Jahr war vergangen, als ich mitten in der Nacht aus meinem Schlaf gerissen wurde, schweißgebadet und zusammengekrümmt lag ich in meinem Bett und wusste mir nicht mehr zu helfen. Die Menstruationsschmerzen nahmen meinen ganzen Körper ein, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Es war keine einmalige Show, die mir meine Gebärmutter frei zur Verfügung stellte. Mit jeder Periode gab es eine weitere Vorstellung, mal mehr und mal weniger schlimm. Selbst mein Darm blieb von den Schmerzen nicht verschont. Während meiner Periode bekam ich nun auch Probleme beim Toilettengang. 

Ich googelte meine Schmerzen, ich wollte wissen, woher sie so plötzlich kamen. Ich wollte wissen, was mit meinem Körper passierte. Bei meinen Recherchen stieß ich zum ersten Mal auf Endometriose. Die Symptome passten wie die Faust aufs Auge. Ich machte mir einen Termin bei meiner Frauenärztin aus und schilderte ihre meine Bedenken. Anfangs setzten wir auf Schmerztabletten und Magnesiumpräparate, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen und eine Bauchspiegelung zu umgehen. Doch sie wurden schlimmer und gemeinsam mit einem Fachzentrum für Endometriose entschied ich mich zu einer Operation. 

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Vom eigenen Körper im Stich gelassen

Als ich aus der Narkose aufwachte und die Decke zurückschlug, sah ich den Drainageschlauch. Sofort war mir klar, dass die Ärzte etwas gefunden hatten. Im ersten Moment war ich erleichtert, ich hatte endlich Gewissheit. Gewissheit, dass ich mir die Schmerzen nicht einbilde und meine Beschwerden berechtigt sind. So schnell die Erleichterung auch da war, verflog sie wieder und tausend Sorgen prasselten auf mich ein. Mit einem Schlag war ich chronisch krank und meine Schmerzen hatten einen Namen: Endometriose und Adenomyose. 

Ich wusste noch nichts über die Schwere meines Befundes und machte mir Sorgen über meine Eileiter und meine Fruchtbarkeit. So schnell kann es gehen und sein ganzes Leben verändert sich. Nach meiner Operation bekam ich dies sehr schnell zu spüren. Zu Silvester hatte ich zum ersten Mal nach meiner Operation wieder meine Periode. Mein absoluter Tiefpunkt. Die Schmerzen schlugen mit voller Wucht auf mich ein und es war mir nicht mal ansatzweise möglich, am sozialen Leben teilzuhaben. Das, sind Momente, in denen ich mich immer wieder von meinem eigenen Körper im Stich gelassen fühle.

Mache die Show zu deiner 

Mir ist bewusst, dass ich eine unberechenbare Granate in mir trage. Ich weiß nicht, wie die Krankheit sich weiter auf meinen Körper auswirken wird. Deswegen lasten genau solche zukünftige Fragen sehr auf meinen Schultern. Eine Ungewissheit, mit der ich lernen muss umzugehen. Genauso muss ich lernen, mit meinen Schmerzen, zu leben. Mit Yoga habe ich einen Weg für mich gefunden, kurz vor meiner Periode meinen Bauchraum zu entspannen und zu dehnen. Ich versuche, meinem Körper die notwendige Ruhe zu geben. Ich setzte mich selbst nicht mehr so sehr unter Druck und bin dankbar für alles, was mein Körper in den Schmerzphasen leistet. Ich lernte meinen Körper ganz neu kennen und verstehe die Signale, die er mir sendet nun viel besser.

„In der Regel bin ich stark“, von Anna Wilken, ist ein Buch, das ich jedem sehr ans Herz legen kann, wenn es darum geht sich mit seinem Körper neu anzufreunden und gemeinsam durch diese Show zu tanzen.

Meike (27 Jahre)

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